Patientenleitlinie: Asthma
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Was Sie selbst tun können

Ein paar Hilfestellungen und praktische Tipps zum Leben mit der Erkrankung geben wir Ihnen in dieser Patientenleitlinie. Diese stammen nicht aus der Fachleitlinie (NVL). Die Tipps können aber trotzdem hilfreich sein, da Selbstbetroffene ihre eigenen Erfahrungen gesammelt und für Sie aufbereitet haben.

Die Erkrankung Asthma hat Auswirkungen auf das gewohnte Leben. Sie kann Ihren Alltag und den Ihrer Angehörigen verändern. Dennoch gilt es, den Alltag zu bewältigen und das eigene Leben selbstständig und lebenswert zu gestalten.

In vielen der vorherigen Kapitel stellen wir Ihnen Möglichkeiten vor, wie Sie selbst die medizinische Behandlung unterstützen können:

  • Wichtig sind Nicht-medikamentöse Behandlungen: Der Besuch einer Asthma-Schulung, Sport und körperliche Bewegung und Tabakverzicht wirken sich bei vielen Betroffenen günstig auf die Gesundheit aus. Die Beschwerden nehmen ab.

  • Im Kapitel Langzeitbetreuung erfahren Sie, wie oft Sie ärztliche Kontroll-Termine vereinbaren sollten, welche Impfungen für Sie empfehlenswert sind und wie Sie möglichst selbstständig mit der Krankheit umgehen können (Lungen-Sportgruppen, Selbsthilfe).

  • Das Kapitel Ihr gutes Recht gibt Ihnen wichtige Hinweise zum Datenschutz.

  • Im Kapitel Rat und Unterstützung finden Sie viele Adressen und Anlaufstellen zu Beratungen und Hilfsangeboten.  

Peak-Flow-Protokoll

Das Peak-Flow-Meter ist ein kleines handliches Gerät (siehe Abbildung 6). Mit diesem Gerät können Sie selbst messen, wie kräftig der Luftstrom ist, den Sie aus Ihren Lungen herauspusten. Das nennt man Peak-Flow-Messung.

In manchen Phasen der Erkrankung kann es sinnvoll sein, den Peak-Flow-Wert regelmäßig zu Hause zu messen. Sie führen die Messungen mehrmals täglich durch. Pro Messung hat man drei Puste-Versuche. Jeweils der höchste Wert zählt. Die Ergebnisse notieren Sie am besten in einem Peak-Flow-Protokoll. Vordrucke erhalten Sie in Arztpraxen, Apotheken und im Internet. Hier finden Sie eine Beispiel-Vorlage für solch ein Peak-Flow-Protokoll:

Abbildung 14:  Beispiel für Peak-Flow-Protokoll

Peak-Flow-Protokoll.jpg

Die Kraft des Atemstoßes ist abhängig vom Gesundheitszustand. Ein einzelner Wert spielt keine bedeutende Rolle. Wichtig ist, alle Messwerte im Verlauf zu beobachten. Anhand der sich verändernden Werte können Sie die Krankheitsentwicklung und damit auch die Wirkung Ihrer Medikamente ablesen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie im Peak-Flow-Protokoll auch vermerken, welche Medikamente Sie vor der Messung eingenommen haben.

Vielleicht erkennen Sie auch einen Zusammenhang zwischen einzelnen Werten und auslösenden Faktoren.

In welchen Phasen sind Peak-Flow-Messungen besonders sinnvoll?

  • Das Asthma besteht erst seit kurzem.

  • Man weiß noch nicht genau, wie schwer das Asthma ist.

  • Die Behandlung soll sich verändern.

  • Die Asthma-Beschwerden verschlimmern sich.

  • Es liegt ein Asthma-Anfall vor.

  • Es gibt den Verdacht, dass die Erkrankung berufliche Ursachen haben könnte.

  • Es liegt eine besondere Situation vor, zum Beispiel nach einem Asthma-Anfall oder nach einem Aufenthalt im Krankenhaus.

Damit die Ergebnisse der Messung aussagekräftig und vergleichbar sind, sollten Sie jeden Tag zu festen Zeiten messen – jeweils in derselben Position.

Messen des Peak-Flow-Wertes

  1. Vorbereiten: Nehmen Sie stets die gleiche Position ein – am besten im Stehen (nicht im Liegen messen). Dann:

           √ den Zeiger des Gerätes in Nullstellung bringen

           √ das Gerät gerade halten

           √ möglichst tief einatmen

           √ das Mundstück in den Mund nehmen

           √ die Lippen fest um das Mundstück schließen  

  2. Messen: Möglichst kräftig und schnell in das Gerät ausatmen (es kommt auf die "Windgeschwindigkeit", nicht auf die Menge der Luft an), dreimal messen.

  3. Ablesen und den höchsten Wert der drei Messungen aufschreiben. Wenn Sie vor der Messung ein Medikament eingenommen haben, notieren Sie dies unbedingt.

  4. Gerät säubern.

  5. Zeigen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie die Peak-Flow-Messung durchführen, damit Sie dabei unterstützt werden können, den Peak-Flow-Wert richtig zu messen.

  6. Fällt im Protokoll etwas auf? Besprechen Sie dies mit Ihrem Behandlungsteam!

» Ampelschema

Die Werte der Peak-Flow-Messung können Sie entsprechend diesem Ampelschema auswerten.

GRÜN – Ihr Peak-Flow-Wert ist besser als 80 Prozent Ihres Bestwertes. Weiter so!

Als Bestwert gilt der Wert, den Sie auf Ihrem Gerät unter optimalen Bedingungen, auch mit Medikamenten, erreicht und dokumentiert haben. Ist Ihr Peak-Flow-Wert besser als 80 Prozent Ihres Bestwertes, dann bedeutet dies: Ihre Behandlung mit Medikamenten ist erfolgreich.

Wenn allerdings trotz guter Peak-Flow-Werte die Beschwerden zunehmen, sollten Sie einen Arzttermin vereinbaren.

GELB – Ihr Peak-Flow-Wert liegt zwischen 50 Prozent und 80 Prozent Ihres Bestwertes. Achtung!

Das bedeutet: Ihre Medikamente schützen Sie zurzeit nicht optimal vor Beschwerden. Die bisherigen Dauer-Medikamente reichen nicht mehr aus oder Sie haben die Medikamente nicht regelmäßig eingenommen. Wenn die Menge an Medikamenten nicht ausreichend ist, muss sie verändert werden. Wenn Sie die Medikamente nicht regelmäßig oder nicht richtig nehmen, überlegen Sie, warum das so ist. Welche Hilfe brauchen Sie?

Ziel ist es, die Peak-Flow-Werte des grünen Bereichs wieder zu erreichen. Es ist ratsam, einen Gesprächstermin in der Arztpraxis zu vereinbaren. Ohne ärztliche Absprache sollten Sie die Menge der Medikamente nicht steigern!

ROT – Ihr Peak-Flow-Wert liegt unter 50 Prozent Ihres Bestwertes. Notfall!

Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Nehmen Sie die Notfall-Medikamente ein. Nehmen Sie eine Körperstellung ein, die Ihnen das Atmen erleichtert. Wenn sich Ihre Situation nicht verbessert, wählen Sie den Notruf.

Asthma-Tagebuch

Ihre Beobachtungen können Sie in einem Asthma-Tagebuch aufschreiben. Dann erhalten Sie einen umfassenden Überblick über den Verlauf der Erkrankung und der Behandlung. Das Tagebuch erleichtert Ihnen, Ihre Erkrankung besser kennenzulernen, und ist außerdem hilfreich für das Arztgespräch. Auch dafür gibt es verschiedene Vordrucke, etwa im Internet.

Besuch in der Zahnarztpraxis und Zahnreinigung

Verschiedene Stoffe, die an sich harmlos sind, können mitunter bei Menschen mit Asthma zu einem Asthma-Anfall führen. Neben vielen anderen Stoffen kann dies zum Beispiel bei Polier-Pasten oder Mundspül-Lösungen mit Menthol, Pfefferminz-Öl oder dem Wirkstoff Chlorhexidin der Fall sein. Vorsicht ist auch bei einer Air Flow-Behandlung geboten. Der Pulverstrahl kann Asthma-Beschwerden hervorrufen. Sagen Sie dem Praxis-Personal vor Beginn der Behandlung oder Zahnreinigung, dass Sie Asthma haben und weisen Sie es auf die möglichen Gefahren hin. Oft finden sich gute andere Behandlungsmöglichkeiten, etwa geschmacksneutrale Stoffe oder rotierende Bürsten.

3. Auflage, 2021. Version 1

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Spezielle Angebote für Menschen mit Asthma finden Sie unter den folgenden Adressen:

Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e. V. (BAG SELBSTHILFE)
Kirchfeldstraße 149
40215 Düsseldorf
Telefon: 02 11 / 3 10 06-0
Telefax: 02 11 / 3 10 06-48
E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de
Internet: www.bag-selbsthilfe.de

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V. (DAG SHG)
Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin
Telefon 0 30 / 893 40 14
E-Mail: verwaltung@dag-shg.de
Internet: www.dag-selbsthilfegruppen.de

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V.
Oranienburger Straße 13-14
10178 Berlin
Telefon: 0 30 / 2 46 36-0
Telefax: 0 30 / 2 46 36-1 10
E-Mail: info@paritaet.org
Internet: www.paritaet.org | www.der-paritaetische.de

Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)
Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin
Telefon: 0 30 / 31 01 89 60
Telefax: 0 30 / 31 01 89 70
E-Mail: selbsthilfe@nakos.de
Internet: www.nakos.de

Sie können sich auch an diese Organisationen wenden:

Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V.
Telefon: 0 2 166 / 647 88 88
E-Mail: info@daab.de
Internet: www.daab.de

Deutsche Atemwegsliga e. V.
Telefon: 0 52 52 / 93 36 15
E-Mail: kontakt@atemwegsliga.de
Internet: www.atemwegsliga.de

Deutsche Lungenstiftung e. V.
Telefon: 0 5 11 / 21 55 110
E-Mail: info@lungenstiftung.de
Internet: www.lungenstiftung.de

Lungeninformationsdienst
E-Mail: lungeninformationsdienst@helmholtz-muenchen.de
Internet: www.lungeninformationsdienst.de

Lungensport AG in Deutschland e. V.
Telefon: 0 52 52 / 93 70 603
E-Mail: lungensport@atemwegsliga.de
Internet: www.lungensport.org

Deutsche Patientenliga Atemwegserkrankungen e. V.
E-Mail: info@pat-liga.de
Internet: www.pat-liga.de

Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter e. V.
Telefon: 03831 / 27 88 117
E-Mail: post@asthmaschulung.de
Internet: www.asthmaschulung.de

Deutsche Sauerstoff- und BeatmungsLiga LOT e. V.
E-Mail: info@sauerstoffliga.de
Internet: www.sauerstoffliga.de

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