Patientenleitlinie: Asthma
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Behandlung mit Medikamenten

Medikamente können das Atmen erleichtern, indem sie die Entzündung lindern oder die Atemwege erweitern. Das Asthma soll damit so gut wie möglich kontrolliert sein, und zwar mit der geringstmöglichen Menge an Medikamenten.

Fachleute empfehlen bevorzugt Arzneimittel, die eingeatmet – also inhaliert – werden. So können sie direkt in der Lunge wirken. Dafür reichen viel niedrigere Dosierungen aus als bei Tabletten. Die Nebenwirkungen im Körper sind dann geringer. Aus diesem Grund haben inhalierbare Medikamente einen großen Vorteil gegenüber Tabletten. Wichtig ist, dass Sie in der Arztpraxis oder Apotheke erlernen, wie Sie das Inhalier-Gerät richtig benutzen. Lesen Sie dazu das Kapitel Inhalier-Geräte – richtig inhalieren lernen.

Hinweis

In den folgenden Kapiteln finden Sie zunächst allgemeine Hinweise zu den Medikamenten bei Asthma. Dann stellen wir Ihnen die einzelnen Gruppen von Medikamenten vor – mit ihrer Wirkweise, Besonderheiten und Nebenwirkungen.

Welche Wirkstoffe im Einzelnen zum Einsatz kommen, richtet sich nach Ihren Beschwerden und dem Grad der Asthma-Kontrolle. Die Expertengruppe hat dafür einen Stufen-Plan erstellt. Man beginnt meist mit wenigen Medikamenten auf einer niedrigen Stufe. Wenn das Asthma damit nicht gut genug kontrolliert ist, folgt die nächste Behandlungsstufe.

Übersicht: Stufen-Plan für Erwachsene.

Übersicht: Stufen-Plan für Kinder und Jugendliche.

Allgemeine Hinweise zu Medikamenten

Die Asthma-Medikamente müssen ärztlich verordnet werden. Dafür erhalten Sie ein Rezept für die Apotheke.

Fragen, die Sie mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen können:

  • Wie lange dauert die Behandlung mit den Medikamenten?

  • Wann sollte eine Wirkung spürbar sein?

  • Worauf sollte ich bei der Einnahme achten?

  • Was sind mögliche Nebenwirkungen, wenn ich diese Medikamente über einen längeren Zeitraum nehme?

  • Welche Wechselwirkungen zwischen den verschriebenen Medikamenten und anderen Medikamenten oder Mitteln sind möglich?

  • Was passiert, wenn ich die Medikamente unregelmäßig einnehme?

  • Was passiert, wenn ich keine oder zu wenige Medikamente nehme?

Aufklärung und Informationen

Nach einer umfassenden Diagnostik liegen Ihnen alle wichtigen Informationen vor, damit Sie nach Beratung mit Ihrer Ärztin über die weitere Behandlung entscheiden können. Fragen Sie so lange nach, bis Sie wirklich alle Ergebnisse verstanden haben. Im Kasten haben wir für Sie einige Fragen formuliert.

Fragen nach der Diagnose:

  • Haben wir alle wichtigen Ergebnisse beisammen?

  • Wie belastbar bin ich körperlich?

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Welche kommen für mich in Frage und warum? Welche Vor- und Nachteile haben sie?

  • Kann die Behandlung mein Leben verlängern?

  • Welche Auswirkungen haben die Erkrankung und die Behandlung auf meine Lebensqualität?

  • Sollte ich mir eine zweite Meinung einholen?

  • Wie viel Zeit habe ich, eine Entscheidung über die Behandlung zu treffen?

Welche Behandlung für Sie die richtige ist, hängt von Ihrem Alter und Ihren Begleit-Erkrankungen ab. Auch Ihre persönlichen Ziele und Ihr Lebensumfeld spielen dabei eine Rolle. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich mit Ihrem Arzt darüber verständigen. Ob Sie die Entscheidung anschließend allein treffen, Ihrer Ärztin überlassen oder gemeinsam entscheiden, liegt bei Ihnen.

In der Regel haben Sie genug Zeit, um diese Entscheidung in Ruhe zu treffen – wenn Sie dies wünschen, auch gemeinsam mit Angehörigen.

Nebenwirkungen – wichtig zu wissen

Neben den erwünschten Effekten von Medikamenten können auch unerwünschte Wirkungen vorkommen. Sollten bei Ihnen Nebenwirkungen auftreten, die Sie beeinträchtigen, besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt. Manchmal kann man vorbeugend etwas dagegen tun, zum Beispiel den Mund nach dem Inhalieren gründlich ausspülen. Möglicherweise lässt sich auch die Dosis anpassen oder Sie können auf ein anderes Medikament ausweichen. Wenn Sie ein neues Medikament erhalten, werden Sie in kürzeren Abständen in die Praxis gebeten, um zu prüfen, wie gut die Behandlung wirkt und wie Sie sie vertragen.

Dabei kann es zu sogenannten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen: Manche Medikamente verstärken oder schwächen sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Es ist daher gut, wenn Sie eine Liste aller Medikamente und Mittel, die Sie einnehmen, zum Arztgespräch mitbringen (siehe Kasten Medikationsplan).

Wirkstoffname? Handelsname?

Alle Medikamente werden in dieser Patientenleitlinie mit ihrem Wirkstoffnamen vorgestellt. Bekannter ist meist der Handelsname, den eine Firma ihrem Medikament gibt. Auf der Medikamentenpackung sind immer Wirkstoff und Handelsname angegeben. Nach dem Handelsnamen fragen Sie am besten Ihr Behandlungsteam.

Bedarfs-Medikamente und Dauer-Medikamente

Zunächst stellen wir Ihnen die unterschiedlichen Medikamente zur Behandlung von Asthma kurz vor. Für wen die Expertengruppe welche Medikamente empfiehlt und wie wirksam diese sind, lesen Sie im Kapitel Behandlung nach dem Stufen-Schema.

Fachleute unterscheiden zwei Hauptgruppen von Asthma-Medikamenten:

  • Bedarfs-Medikamente: Man nimmt sie nur bei Bedarf, etwa um plötzliche Beschwerden rasch zu lindern. Sie erweitern die Atemwege in der Lunge sofort. Das hält in der Regel nur für einige Stunden an.

  • Dauer-Medikamente: Man nimmt sie täglich ein – unabhängig von den Beschwerden. Das wichtigste Dauer-Medikament ist ein inhalierbarer Kortison-ähnlicher Wirkstoff als Spray oder Pulver. Er wirkt gegen die Entzündung und damit gegen die Ursache der Beschwerden. Nimmt man ein Langzeit-Medikament regelmäßig ein, so bessern sich Beschwerden, es kommt seltener zu Atemnot-Anfällen und der Alltag ist weniger eingeschränkt.

Eine gute Asthma-Behandlung zeichnet sich dadurch aus, dass man möglichst selten das Bedarfs-Medikament benötigt.

Bedarfs-Medikamente

» Kurzwirkende Beta-Mimetika

Es handelt sich um die Gruppe von Wirkstoffen, die am häufigsten als Bedarfs-Medikament zum Einsatz kommt. In der Kurzform heißen diese Medikamente SABA. Die einzelnen Wirkstoffe heißen beispielsweise Salbutamol, Fenoterol, Reproterol oder Terbutalin.

Man inhaliert den Wirkstoff bei Bedarf, etwa bei plötzlicher Luftnot oder bei einem Husten-Anfall. Kurzwirkende Beta-Mimetika helfen ganz schnell, indem sie die Atemwege erweitern und so die Luftnot lindern. Daher bezeichnet man diese Medikamente auch als "Bedarfs-Spray" oder "Notfall-Spray". Wichtig ist, sie immer greifbar zu haben. Lesen Sie auch das Kapitel Vorgehen bei einem Asthma-Anfall.

Manchmal empfehlen Fachleute erwachsenen Erkrankten, die nur bei körperlichen Anstrengungen Beschwerden haben, vorbeugend kurz vor dem Sport ein Beta-Mimetikum zu nutzen. Auf diese Weise kann es Beschwerden verhindern, die nur in speziellen Situationen auftreten.

Kurzwirkende Beta-Mimetika wirken für etwa 4 bis 8 Stunden gegen die verengten Atemwege. Sie wirken aber nicht gegen die ständige Entzündung in den Atemwegen.

Wenn man diese Bedarfs-Medikamente zu häufig einsetzt, können Nebenwirkungen auftreten. Mögliche Nebenwirkungen sind zum Beispiel Herzrasen, Zittern, Unruhe und Schlaflosigkeit.

» Feste Kombination zwei verschiedener Wirkstoffe

Es gibt eine feste Kombination aus einem Kortison-ähnlichen Medikament in niedriger Dosis und dem Wirkstoff Formoterol (langwirkendes Beta-Mimetikum) als Bedarfs-Spray. Dieses Medikament zum Inhalieren enthält also zwei Wirkstoffe zugleich. Es kann manchmal bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren statt eines SABA-Sprays zum Einsatz kommen.

Der Vorteil von Formoterol ist, dass es bereits nach etwa 30 Sekunden schnell gegen die Beschwerden hilft und länger als 12 Stunden die Bronchien erweitert. Zugleich hilft dann das Kortison-ähnliche Medikament langfristig gegen die Entzündung in den Atemwegen. Aus diesem Grund ist diese sogenannte Fixkombination auch eine Form der Dauer-Behandlung.

Wendet man die Fixkombination nach Bedarf bei plötzlichen Beschwerden an, ist es wichtig, die zulässige Höchstdosis pro Tag für beide Wirkstoffe nicht zu überschreiten.

Hinweis

Die Fixkombination aus niedrigdosiertem ICS und Formoterol als Bedarfs-Spray (Stufen-Plan: Stufe 1 und 2) ist bislang für diese Situation nicht zugelassen und kommt daher als sogenanntes Off-Label-Medikament zum Einsatz. (Stand: 2020)

» Ipratropiumbromid

Der Wirkstoff Ipratropiumbromid ist ein sogenanntes Anticholinergikum. Das bedeutet, der Botenstoff Acetylcholin wird im Körper gehemmt; folglich werden Nerven-Impulse nicht weitergeleitet. Unter anderem weiten sich dadurch die Bronchien. Ipratropiumbromid kommt manchmal bei Kindern und Jugendlichen als Bedarfs-Medikament zusätzlich zu einem kurzwirkenden Beta-Mimetikum in Frage. Wenn Beta-Mimetika nicht vertragen werden, stellt Ipratropiumbromid hier eine Alternative dar.

Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Schwindel, Husten, trockener Mund, Magen-Darm-Beschwerden oder Herzrasen sein.

Dauer-Medikamente

» Kortison-ähnliche Medikamente

Ein Kortison-ähnliches Medikament ist das wichtigste und wirksamste Dauer-Medikament bei Asthma. Es ist die Grundlage für jede Langzeit-Behandlung mit Medikamenten. Kortison ist ein Hormon, das der Körper in der Nebenniere bildet und umwandelt. Es hat vielfältige Wirkungen, zum Beispiel hemmt es Entzündungen und unterdrückt allergische Reaktionen sowie das Immunsystem.

Kortison als Arzneimittel wird künstlich hergestellt. Diese Kortison-ähnlichen Medikamente enthalten einen Wirkstoff, der ähnlich wirkt wie Kortison. Auch die Nebenwirkungen sind vergleichbar mit denen von Kortison. Fachleute benutzen häufig für diese Medikamenten-Gruppe auch das Wort Kortikosteroide oder Glukokortikoide. Einfachheitshalber finden Sie in dieser Patientenleitlinie oft den Begriff "Kortison". Streng genommen handelt es sich dabei stets um einen Kortison-ähnlichen Wirkstoff.

Kortison wirkt nicht schnell, sondern auf lange Sicht. Bei täglicher Anwendung hilft es gegen die Entzündung in den Atemwegen und damit gegen die Ursache der Beschwerden. Es kann verhindern, dass ein gefährlicher Asthma-Anfall auftritt. Wer regelmäßig Kortison anwendet, hat seltener einen solchen Anfall und kommt seltener deswegen ins Krankenhaus. Kortison kann auch Todesfälle durch Asthma verhindern.

Kortison zum Inhalieren (kurz: ICS)

Ein Kortison-ähnliches Medikament inhaliert man meist. Diese inhalierbaren Wirkstoffe heißen beispielsweise Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Fluticason oder Mometason.

Es gibt auch Kortison-Tabletten (siehe nächsten Abschnitt). Diese wirken im ganzen Körper und haben viele Nebenwirkungen. Inhaliertes Kortison ist besser verträglich. Es wirkt nicht im ganzen Körper, sondern vor allem in der Lunge. Durch die niedrige Dosierung hat es viel weniger Nebenwirkungen. Vor allem die richtige Inhalationstechnik ist hierbei wichtig. Mehr dazu im Kapitel Inhalier-Geräte – richtig inhalieren lernen.

» Welche Nebenwirkungen hat Kortison zum Inhalieren?

Folgende Nebenwirkungen können auftreten:

  • Heiserkeit;

  • Pilzbefall im Mund (Mund-Soor).

TIPP: Eine Pilzerkrankung können Sie verhindern, indem Sie nach dem Inhalieren den Mund ausspülen, Zähne putzen oder etwas essen oder trinken.

Diese Informationen finden Sie auch kompakt in dem Patientenblatt "Asthma – Behandlung mit Kortison-Spray": www.patienten-information.de/patientenblaetter/asthma-langzeitbehandlung.

Kortison zum Einnehmen als Tablette, Saft oder Zäpfchen

Tritt ein plötzlicher Asthma-Anfall auf, so kann vorübergehend Kortison in Tablettenform notwendig werden. Wer keine Tabletten schlucken kann, etwa kleine Kinder, kann das Kortison stattdessen in Form von Saft oder Zäpfchen bekommen. Die Kortison-ähnlichen Wirkstoffe zum Einnehmen heißen beispielsweise Hydrocortison, Methylprednisolon oder Prednisolon.

Nur in Ausnahmen, wenn sich starke Beschwerden nicht mit anderen Maßnahmen behandeln lassen, kommen tägliche Kortison-Tabletten in geringstmöglicher Dosis zum Einsatz. Es ist ratsam, dass Sie sich dafür in einer Facharztpraxis für Lungen-Erkrankungen (Pneumologie) betreuen lassen. Dann ist wichtig, regelmäßig zu prüfen, ob Sie auch ohne Kortison-Tabletten wieder zurechtkommen.

» Welche Nebenwirkungen hat Kortison zum Einnehmen?

Als Nebenwirkungen von Kortison, das längerfristig im ganzen Körper wirkt, können auftreten:

  • das Körpergewicht nimmt zu;

  • Schlafstörungen;

  • Bluthochdruck;

  • der Blutzucker steigt an;

  • die Knochen entkalken vermehrt und werden brüchiger (Fachbegriff: Osteoporose);

  • die Haut wird dünner und blutet schon bei kleinen Verletzungen, Wunden heilen schlecht.

Sagen Sie das Ihrer Ärztin, wenn Sie solche Nebenwirkungen bei sich bemerken.

ACHTUNG wichtig.png

Wenn Sie regelmäßig ein Kortison-ähnliches Medikament inhalieren oder einnehmen, verändern Sie nicht selbstständig die Dosierung und setzen Sie es nicht einfach ab. Während der Behandlung stellt Ihr Körper die eigene Kortison-Bildung ein. Der Körper benötigt das Hormon dringend. Durch plötzliches Absetzen des Arzneimittels kann es zu bedrohlichen Stoffwechselstörungen kommen. Auch das Asthma kann wieder schlimmer werden. Sprechen Sie alle Schritte mit Ihrem Arzt ab. Das Kortison muss schrittweise abgesetzt werden, damit der Körper angeregt wird, es wieder ausreichend selbst zu bilden. Die Fachleute nennen das "Ausschleichen".

Hinweise zur Kortison-Behandlung bei Kindern und Jugendlichen PL-Kinder-png

Eine Behandlung mit einem Kortison-ähnlichen Medikament hilft sehr gut. Dadurch können heute viele Kinder und Jugendliche mit Asthma so aufwachsen, dass sich ihr Alltag von dem eines gesunden Kindes oder Jugendlichen kaum unterscheidet. Die Behandlung kann allerdings Nebenwirkungen haben. Diese hängen von der Anwendungsform ab (Inhalieren hat viel weniger Nebenwirkungen als Saft, Zäpfchen oder Tabletten) und von der Menge des Medikaments (Dosis).

Zusätzlich zu den Nebenwirkungen der Behandlung mit Kortison, die auch bei Erwachsenen auftreten können, kann sich bei Kindern und Jugendlichen, die über viele Monate täglich Kortison-ähnliche Medikamente bekommen, das Wachstum verzögern. Studien weisen darauf hin, dass sich bei täglichem Inhalieren von Kortison in niedriger bis mittlerer Dosis das Körperwachstum im Mittel um ungefähr einen halben Zentimeter (0,61 cm) pro Jahr verringerte. Dies war vor allem im ersten Behandlungsjahr der Fall. In den Folgejahren ließ sich der Größenunterschied kaum noch feststellen. Der Rückstand des Wachstums scheint sich demnach mit der Zeit fast auszugleichen.

Aus Vorsichtsgründen sollen Kinder und Jugendliche, die Kortison erhalten:

  • die niedrigste wirksame Kortison-Dosis bekommen;

  • regelmäßig ärztlich untersucht werden, vor allem soll die Körpergröße regelmäßig gemessen werden.

Die meisten Kinder und Jugendlichen kommen mit Kortison zum dauerhaftem Inhalieren gut zurecht. Wenn Sie Bedenken haben, sprechen Sie das offen in der Arztpraxis an.

Reicht das Kortison allein nicht aus, um die Beschwerden langfristig zu verringern, gibt es mehrere weitere Medikamente. Man wendet sie zusammen mit dem Kortison an. Wirkstoffe, die mit Kortison kombinierbar sind, sind langwirkende Beta-Mimetika, langwirkende Anticholinergika, Montelukast und spezielle sogenannte Monoklonale Antikörper.

» Langwirkende Beta-Mimetika

Wie alle Beta-Mimetika erweitert diese Medikamenten-Gruppe die Bronchien. Kurz nennt man sie auch nach der englischen Abkürzung "Long-Acting Beta-Agonists" LABA. Die einzelnen Wirkstoffe heißen beispielsweise Formoterol oder Salmeterol. Ihre Wirkung hält länger als 12 Stunden an. Das unterscheidet sie von den kurzwirkenden Beta-Mimetika.

Bei manchen Menschen sind die Asthma-Beschwerden so stark, dass Kortison als alleiniges Dauer-Medikament nicht ausreicht. Dann kommt als zusätzlicher Wirkstoff zum Beispiel ein LABA hinzu. Das LABA sorgt dafür, dass sich die Atemwege weiten. Die Atembeschwerden lassen schnell nach. Manche Menschen denken dann, sie brauchen das Kortison-Spray nicht mehr und lassen es weg. Aber das ist gefährlich: Die Entzündung besteht weiter. Denn dagegen wirken diese Medikamente nicht stark genug, sondern nur das Kortison-Spray.

Die Leitlinie empfiehlt:

LABA allein sind keine geeignete Behandlung gegen Asthma. Deshalb soll man sie nur in Kombination mit einem Kortison-ähnlichen Medikament nehmen (siehe Abschnitt Fixkombination).

Als Nebenwirkungen von LABA können Herzrasen, Zittern, Unruhe und Schlaflosigkeit auftreten.

Fixkombination aus Kortison und LABA

Bei Asthma soll man ein langwirkendes Beta-Mimetikum (LABA) nicht ohne Kortison inhalieren. Studien haben gezeigt, dass die Gefahr für lebensbedrohliche Asthma-Anfälle und Todesfälle erhöht ist, wenn man das Kortison weglässt. Sie nehmen ein LABA immer zusammen mit einem inhalierbarem Kortison-ähnlichen Medikament.

Es gibt Inhalier-Geräte, die bereits beide Medikamente enthalten. Nach Meinung der Expertengruppe sollen Sie ein solches Inhalier-Gerät erhalten. Es enthält beide Wirkstoffe zugleich: ein Kortison-ähnliches Medikament (ICS) und ein LABA. In der Patientenleitlinie bezeichnen wir dieses Medikament zum Inhalieren als "Fixkombination". Die Fachleute sehen den Vorteil dieser Fixkombination darin, dass man dann stets nur ein Spray inhalieren muss und nicht zwei. Dann besteht keine Gefahr, durcheinander zu kommen, einen Wirkstoff zu vergessen oder wegzulassen. In welchen Fällen Fachleute sie empfehlen, lesen Sie im Kapitel Stufen-Plan für Erwachsene: Was empfiehlt die Leitlinie?.

Es gibt auch eine Fixkombination aus einem ICS in niedriger Dosis und dem LABA-Wirkstoff Formoterol als Spray, das Sie nach Bedarf anwenden können (siehe Feste Kombination zwei verschiedener Wirkstoffe).

» Langwirkende Anticholinergika

Ein sogenanntes Anticholinergikum hemmt den Botenstoff Acetylcholin im Körper; folglich werden Nerven-Impulse nicht weiterleitet. Unter anderem weiten sich dadurch die Bronchien. Diese Medikamenten-Gruppe bezeichnen Fachleute kurz als LAMA. Ein Wirkstoff, der für die Behandlung von Asthma zugelassen ist, heißt Tiotropium.

Ähnlich wie langwirkende Beta-Mimetika erweitern auch langwirkende Anticholinergika zwar für längere Zeit die Atemwege, aber sie wirken nicht gegen die dauerhafte Entzündung. Die Expertengruppe konnte keine Studien finden, die inhalierbare LAMA als Einzelbehandlung untersuchten. Sie geht aber von ähnlichen Folgen wie bei den LABA aus. Daher soll man ein LAMA bei Asthma nur zusammen mit einem Kortison-ähnlichen Medikament inhalieren und nicht als alleinigen Wirkstoff.

Bei nicht kontrolliertem Asthma kann ein LAMA als zusätzliches Medikament zu einem inhalierbaren Kortison und einem langwirksamen Beta-Mimetikum in Frage kommen.

Nebenwirkungen von LAMA können trockener Mund, Schwindel, Kopfschmerzen, Husten, Magen-Darm-Beschwerden oder Probleme beim Wasserlassen sein. Auch ein erhöhter Augeninnendruck und ein Grüner Star (Glaukom) können vorkommen.

» Montelukast (Leukotrien-Antagonist)

Dieses Langzeit-Medikament hemmt im Körper bestimmte Botenstoffe, die sogenannten Leukotriene. Leukotriene lösen im Körper Entzündungen aus, verengen die Atemwege und sind an allergischen Reaktionen beteiligt. Werden sie blockiert, so können sich die Asthma-Beschwerden verbessern. Montelukast ergänzt somit die Wirkweise von Kortison und kommt daher hauptsächlich in Kombination mit Kortison zum Einsatz (mehr dazu im Kapitel Behandlung nach dem Stufen-Schema). Bei Kindern zwischen 6 Monaten und 15 Jahren ist auch die alleinige Behandlung mit Montelukast in Ausnahmen möglich, sofern wichtige Gründe gegen inhalierbares Kortison sprechen (siehe Stufen-Plan für Kinder und Jugendliche).

Montelukast kann man als Tablette, Kautablette oder Granulat über den Mund einnehmen.

Nebenwirkungen von Montelukast können zum Beispiel Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen sein. Fachleute machen darauf aufmerksam, dass Montelukast auch psychische Nebenwirkungen haben kann, zum Beispiel Schlafstörungen, Depression, Gedächtnisprobleme, Stottern oder Zwangshandlungen.

» Monoklonale Antikörper

Das sind künstliche Eiweiße, die bestimmte Entzündungszellen oder Stoffe im Körper erkennen und diese blockieren. Fachleute empfehlen ihren Einsatz erst, wenn die üblichen Asthma-Medikamente trotz korrekter Einnahme auch in hoher Dosierung nicht ausreichend wirken und die Beschwerden stark sind. Es handelt sich um zusätzliche Medikamente, die man alle 2 bis 8 Wochen als Spritze bekommt. Sie sind nur für bestimmte Menschen mit Asthma geeignet.

Die Leitlinie empfiehlt:

Ob bei Ihnen eine Zusatz-Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper in Frage kommt, soll ein erfahrener Facharzt oder eine erfahrene Fachärztin für Lungen-Erkrankungen (Pneumologie) prüfen und dann gegebenenfalls mit der Behandlung beginnen.

Nach 4 und 12 Monaten soll geprüft werden, ob der monoklonale Antikörper wirkt. Anschließend sollen jährliche Kontrollen stattfinden. Die Expertengruppe empfiehlt, das Medikament wieder abzusetzen, wenn sich die Asthma-Kontrolle nicht verbessert.

Zu Beginn der Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper sollen Sie Ihre bisherigen Langzeit-Medikamente weiterhin wie gewohnt anwenden. Bessert sich die Asthma-Kontrolle mit der Zeit, so soll der Arzt oder die Ärztin die Dosierungen der Dauer-Medikamente vorsichtig verringern.

Omalizumab

Omalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der sich gegen die typischen Allergie-Eiweiße (IgE) bei schwerem allergischen Asthma richtet.

Nebenwirkungen können sein: Reaktionen an der Einstichstelle der Spritze wie Schmerzen, Juckreiz oder Schwellung, Kopfschmerzen, Schwindel, Fieber, Schmerzen im Oberbauch oder allergische Reaktionen. Fachleute warnen davor, dass auch noch Stunden bis Tage nach Erhalt der Spritze schwere allergische Reaktionen auftreten können.

Die zugehörige Empfehlung für Erwachsene finden Sie im Stufen-Plan (Stufe 5). Die entsprechende Empfehlung für Kinder und Jugendliche ist im Stufen-Plan (Stufe 6).

Mepolizumab, Reslizumab und Benralizumab

Diese monoklonalen Antikörper richten sich gegen den Botenstoff Interleukin-5, der sich im Körper an Entzündungsreaktionen beteiligt. Auf diese Weise lässt sich die Anzahl bestimmter Blutzellen – die sogenannten eosinophilen Granulozyten – verringern. Ziel ist, die Entzündung in den Atemwegen weiter abzuschwächen. Mepolizumab, Reslizumab und Benralizumab werden nur bei schwerem eosinophilen Asthma eingesetzt, wenn trotz Behandlung häufig Asthma-Anfälle auftreten, die teils im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die zugehörige Empfehlung für Erwachsene finden Sie im Stufen-Plan (Stufe 5).

Nebenwirkungen von Mepolizumab können sein: Reaktionen an der Einstichstelle der Spritze wie Schmerzen, Juckreiz oder Schwellung, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schmerzen im Oberbauch, allergische Reaktionen oder Infekte des Rachens und der Atemwege.

Nebenwirkungen von Reslizumab können sein: Muskelschmerzen oder allergische Reaktionen.

Nebenwirkungen von Benralizumab können sein: Reaktionen an der Einstichstelle der Spritze wie Schmerzen, Juckreiz oder Schwellung, Kopfschmerzen, Rachen-Entzündung oder allergische Haut-Reaktionen.

Dupilumab

Dupilumab richtet sich gegen den Botenstoff Interleukin-4, der sich im Körper an Entzündungsreaktionen beteiligt. Auf diese Weise lässt sich die Anzahl bestimmter Blutzellen – die sogenannten eosinophilen Granulozyten – verringern. Ziel ist, die Entzündung in den Atemwegen weiter abzuschwächen. Das Medikament wird nur bei schwerem eosinophilen Asthma mit starken Entzündungsreaktionen eingesetzt. Die zugehörige Empfehlung für Erwachsene finden Sie im Stufen-Plan (Stufe 5).

Nebenwirkungen können sein: Reaktionen an der Einstichstelle der Spritze wie Rötung, Schmerzen, Juckreiz oder Schwellung.

Hinweis PL-Kinder-png

Die Medikamente Omalizumab und Mepolizumab sind für Kinder ab 6 Jahren zugelassen. Dupilumab ist ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen. Die Antikörper Reslizumab und Benralizumab sind nur für Erwachsene zugelassen. (Stand: 2020)

Mehr Informationen

Auf der Internet-Seite der Deutschen Atemwegsliga e. V. finden Sie Video-Anleitungen zum Spritzen der Medikamente: www.atemwegsliga.de/injizieren.html 

Behandlung nach dem Stufen-Schema

Die Behandlung von Asthma richtet sich nach einem sogenannten Stufen-Schema. Das ist ein Behandlungsplan mit mehreren Stufen. Dieser Stufen-Plan besagt: Je nach Beschwerden und Lungen-Funktion starten Sie auf einer bestimmten Stufe. Lassen sich Ihre Beschwerden nach einer gewissen Zeit nicht gut kontrollieren, wird die nächst höhere Stufe gewählt. Innerhalb jeder Stufe gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten. Welche für Sie am besten geeignet ist, prüfen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin. Wenn Ihre Beschwerden längere Zeit gut kontrolliert sind, prüft sie, ob Sie auch mit weniger Medikamenten auskommen und möglicherweise auf die nächst niedrigere Stufe wechseln können.

Die Leitlinie empfiehlt:

Wenn die Ärztin oder der Arzt bei Ihnen sicher Asthma festgestellt hat, sollen Sie eine Behandlung nach dem Stufen-Plan erhalten.

Unabhängig von der Stufe sollen Sie ein Bedarfs-Medikament bekommen, um plötzliche Asthma-Beschwerden schnell lindern zu können.

Ist das Asthma trotz guter Behandlung und korrekter Inhalation unkontrolliert, soll Ihnen der Arzt oder die Ärztin eine höhere Stufe als Behandlung anbieten.

Ist das Asthma trotz guter Behandlung nur teilweise kontrolliert, sollte Ihnen der Arzt oder die Ärztin nach Expertenmeinung eine höhere Stufe als Behandlung anbieten.

Zusätzlich zu den Medikamenten gehören zu jeder Stufe auch Nicht-medikamentöse Behandlungen, wie etwa eine Asthma-Schulung, körperliches Training und das Vermeiden von Auslösern. Auch Begleit-Erkrankungen spielen eine Rolle. Unabhängig von der Stufe kann bei allergischem Asthma manchmal auch eine spezifische Immuntherapie in Betracht kommen.

Wann folgt eine höhere Stufe?

Treten Beschwerden trotz Behandlung zu häufig auf und ist das Asthma nicht mehr kontrolliert, folgt in der Regel die nächsthöhere Stufe. Die Expertengruppe ist der Meinung, dass der Arzt allerdings zuvor noch bestimmte Punkte prüfen soll:

  • Inhalieren Sie die Medikamente mit der richtigen Technik? Führen Sie es am besten in der Arztpraxis vor.

  • Haben Sie eine Schulung besucht? Benötigen Sie noch weitere Hilfestellungen?

  • Wenden Sie Ihre Medikamente tatsächlich wie ärztlich empfohlen an?

  • Können Sie bestimmte Asthma-Auslöser vermeiden oder sich ihnen zumindest seltener aussetzen?

  • Beeinflussen vielleicht Begleit-Erkrankungen Ihr Asthma und die derzeitige Behandlung?

  • Gibt es andere Dinge, wie etwa Stress auf der Arbeit oder in der Familie, die Ihre Asthma-Beschwerden möglicherweise verschlimmern?

  • Liegt bei Ihnen tatsächlich ein Asthma vor oder könnte es eine andere Krankheit sein?

Bei unkontrolliertem Asthma spricht sich die Expertengruppe dafür aus, zur nächsthöheren Stufe zu wechseln.

Die Einnahme zusätzlicher Medikamente ist mit einem höheren Aufwand verbunden und erfordert Disziplin. Und es kann zu mehr Nebenwirkungen kommen. Bei teilweise kontrolliertem Asthma ist deshalb in jedem Einzelfall abzuwägen, wie stark die Beschwerden Sie belasten. Wird die Behandlung der nächsthöheren Stufe angepasst, so soll Ihre Ärztin nach Expertenmeinung innerhalb von 3 Monaten den Grad der Asthma-Kontrolle überprüfen.

Wann ist eine niedrigere Stufe möglich?

Das Ziel der Behandlung besteht darin, mit der geringstmöglichen Menge an Medikamenten die bestmögliche Asthma-Kontrolle zu erreichen. Daher ist es wichtig zu prüfen, ob Sie auch mit weniger Medikamenten auskommen und auf eine niedrigere Stufe wechseln können.

Die Leitlinie empfiehlt:

Bevor eine niedrigere Stufe als Behandlung in Frage kommt, soll das Asthma mindestens für 3 Monate kontrolliert sein.

Hängen die Beschwerden von der Jahreszeit ab, zum Beispiel vom Pollenflug, so sollte der Arzt oder die Ärztin dies bei der Behandlung mit Medikamenten nach dem Stufen-Plan berücksichtigen. Hier sind kürzere Zeiträume für einen Stufen-Wechsel möglich.

Der Arzt oder die Ärztin soll Ihnen erklären, dass es gefährlich sein kann, das Dauer-Medikament mit einem Kortison-ähnlichen Wirkstoff von einem Tag zum anderen nicht mehr zu nehmen. Dies muss langsam und unter ärztlicher Kontrolle geschehen.

Ebenso soll die Ärztin oder der Arzt Sie engmaschig überwachen, wenn bei Ihnen eine Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper beendet wird.

Nach Erfahrung der Expertengruppe ist es wichtig, dass Sie mindestens 3 Monate lang keine Asthma-Beschwerden hatten, bevor Sie das Kortison zum Inhalieren unter ärztlicher Kontrolle langsam verringern. Studien weisen darauf hin, dass durch eine geringere Dosierung oder durch Absetzen des Kortisons Beschwerden wieder stärker werden können und häufiger Verschlechterungen auftreten im Vergleich mit einer unveränderten Behandlung. Fachleute warnen vor allem davor, Kortison plötzlich wegzulassen. Das kann schwere gesundheitliche Folgen haben (mehr dazu siehe hier). 

Hinweis

Da Kortison-ähnliche Medikamente das Wachstum beeinflussen können, sollen vor allem Kinder und Jugendliche möglichst wenig davon bekommen. Bei guter Asthma-Kontrolle ist bei manchen Kindern oder Jugendlichen bereits nach 2 Monaten eine niedrigere Stufe als Behandlung möglich.

Stufen-Plan für Erwachsene: Was empfiehlt die Leitlinie?

In diesem Abschnitt stellen wir Ihnen die ärztlichen Empfehlungen für Erwachsene mit Asthma vor. Tabelle 4 zeigt Ihnen eine Übersicht des Stufen-Plans. Es gibt fünf Stufen zur Behandlung. Alle im Stufen-Plan dargestellten Medikamente und Kombinationen beschreiben wir anschließend Stufe für Stufe.

Die Leitlinie empfiehlt:

In jeder Stufe sollen Sie als Bedarfs-Spray ein SABA oder die Fixkombination aus ICS und Formoterol bekommen.

Bei teilweise kontrolliertem Asthma sollte die Behandlung nach Meinung der Expertengruppe in der Regel mit Stufe 2 beginnen.

Bei unkontrolliertem Asthma sollte die Dauer-Behandlung nach Meinung der Expertengruppe mindestens in Stufe 3 beginnen.

Tabelle 4: Stufen-Plan für Erwachsene

Empfohlene Behandlung

Andere Behandlungen
 (in begründeten Situationen)

STUFE 1

 

 

 

 

Täglich:

Keine

Nach Bedarf:

Fixkombination aus niedrigdosiertem Kortison und Formoterol zum Inhalieren

oder

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray) 

Täglich: 

niedrigdosiertes Kortison zum Inhalieren (plus Bedarfs-Medikament wie etwa SABA-Spray)

 

STUFE 2

 

 

 

Täglich: 

niedrigdosiertes Kortison zum Inhalieren 

Nach Bedarf: 

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray) 

Täglich: 

Montelukast (plus Bedarfs-Medikament wie etwa SABA-Spray)

 

Behandlung nur nach Bedarf: 

Fixkombination aus niedrigdosiertem Kortison und Formoterol zum Inhalieren

 

STUFE 3

 

 

Täglich:

niedrigdosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA (bevorzugt)

oder

mitteldosiertes Kortison zum Inhalieren

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)  

oder

Fixkombination aus Kortison und Formoterol zum Inhalieren (wenn diese Kombination auch zur Dauer-Behandlung eingesetzt wird)

Täglich:

niedrigdosiertes Kortison zum Inhalieren + LAMA 

ODER

niedrigdosiertes Kortison zum Inhalieren + Montelukast

 

STUFE 4

 

Täglich: 

mittel- bis hochdosiertes Kortison zum Inhalieren LABA (bevorzugt)

oder

mittel- bis hochdosiertes Kortison zum Inhalieren LABA + LAMA 

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)

oder

Fixkombination aus Kortison und Formoterol zum Inhalieren (wenn diese Kombination auch zur Dauer-Behandlung eingesetzt wird)

Täglich:

mittel- bis hochdosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA + Montelukast 

ODER

mittel- bis hochdosiertes Kortison zum Inhalieren + LAMA

 

STUFE 5

Täglich:

höchstdosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA + LAMA

Zusätzlich: monoklonaler Antikörper

Nach Bedarf: 

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray) 

oder

Fixkombination aus Kortison und Formoterol zum Inhalieren (wenn diese Kombination auch zur Dauer-Behandlung eingesetzt wird)

Täglich: 

In Ausnahmen Kortison zum Einnehmen zusätzlich oder statt Kortison-Spray

 

Hinweis: Überweisung in eine erfahrene Facharztpraxis für Lungen-Erkrankungen

» Behandlung in Stufe 1

Bei einer leichten Form der Erkrankung, bei der nur selten Asthma-Beschwerden auftreten, kann es ausreichen, nur ab und zu ein Bedarfs-Medikament einzusetzen. Dann braucht man keine zusätzlichen Langzeit-Medikamente.

Die Leitlinie empfiehlt:

Brauchen Sie öfter als 2-mal pro Woche ein Bedarfs-Medikament, so soll Ihnen der Arzt oder die Ärztin eine dauerhafte Behandlung mit einem Langzeit-Medikament anbieten.

Benötigt man das Bedarfs-Medikament zu häufig, kann das ein Zeichen dafür sein, dass das Asthma nicht in der richtigen Art und Weise behandelt wird. Dann kann Stufe 2 in Frage kommen.

In Ausnahmen kommt es auch in Stufe 1 vor, dass man ein niedrigdosiertes Kortison zum täglichen Inhalieren erhält. Nach Bedarf kommt dann ein SABA-Spray bei plötzlichen Beschwerden zum Einsatz.

» Behandlung in Stufe 2

Die Leitlinie empfiehlt:

In Stufe 2 soll man Ihnen ein Kortison-ähnliches Medikament in niedriger Dosis zum täglichen Inhalieren oder die Fixkombination ICS in niedriger Dosis und Formoterol als Bedarfs-Spray anbieten.

Bei Erwachsenen soll eine alleinige Behandlung mit dem Wirkstoff Montelukast nicht zum Einsatz kommen, wenn sie Kortison-ähnliche Medikamente vertragen und einnehmen dürfen.

Nur wenn Sie das inhalierbare Kortison nicht vertragen oder Sie es aufgrund anderer Krankheiten nicht nehmen dürfen, kommt als Ausnahme ein Leukotrien-Antagonist (Montelukast) in Frage.

Die Expertengruppe konnte keine aktuelle Studien-Übersicht finden, die die alleinige Inhalation von Kortison mit einem Schein-Medikament (Placebo) vergleicht. Studien, die inhalierbares Kortison mit einem Leukotrien-Antagonisten verglichen, weisen auf Vorteile für Kortison hin, zum Beispiel traten seltener Asthma-Verschlechterungen auf. Zudem berücksichtigt die Expertengruppe die Nebenwirkungen von dem Leukotrien-Antagonisten Montelukast. Gelegentlich sind psychische Beschwerden wie Schlafstörungen oder Depression beschrieben (siehe auch Montelukast).

Nach langjähriger Erfahrung vieler Fachleute hat sich das regelmäßige Inhalieren von Kortison in niedriger Dosis bewährt, um die dauerhafte Entzündung in den Atemwegen wirksam zu unterdrücken. Aus Sicht der Expertengruppe eignet sich dafür sowohl ein Kortison-ähnliches Medikament zum täglichen Inhalieren als auch die Fixkombination aus ICS und Formoterol als Bedarfs-Spray. Große Studien haben beide Behandlungsmöglichkeiten miteinander verglichen. Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen ähnlich häufig auf. Ebenso war die Anzahl der Asthma-Verschlechterungen innerhalb eines Jahres in etwa vergleichbar. Im Mittel war die tägliche Kortison-Dosis bei Anwendung der Fixkombination um das 4- bis 6-fache geringer als bei der regelmäßigen täglichen Kortison-Inhalation. Dafür war in der Gruppe mit täglicher Kortison-Inhalation das Asthma häufiger gut kontrolliert als bei Anwendung der Fixkombination: etwa bei 44 von 100 Betroffenen im Vergleich zu etwa 34 von 100 Betroffenen.

» Behandlung in Stufe 3

Die Leitlinie empfiehlt:

In Stufe 3 soll man Ihnen als inhalierbares Dauer-Medikament bevorzugt eine Fixkombination aus ICS in niedriger Dosis und LABA anbieten. Eine weitere Möglichkeit ist ein Kortison-ähnliches Medikament zum Inhalieren in mittlerer Dosis.

Viele Studien haben bei Menschen mit nicht kontrolliertem Asthma inhalierbares Kortison einzeln in niedriger und mittlerer Dosis verglichen sowie in Kombination mit einem LABA. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die kombinierte Behandlung aus ICS und LABA die Asthma-Beschwerden tagsüber und nachts besser verringert. Es deutet sich auch an, dass schwere Atemnot-Anfälle seltener auftreten: Bei etwa 3 von 100 Personen, die ICS und LABA erhielten, trat ein schwerer Atemnot-Anfall auf. Erhielten die Personen nur ICS, war dies bei etwa 7 von 100 Personen der Fall. Bei den Nebenwirkungen zeigten sich keine großen Unterschiede in den beiden Gruppen.

Aus diesen Gründen bevorzugt die Expertengruppe die Kombination aus ICS in niedriger Dosis und LABA, wenn sich mit niedrigdosiertem ICS allein die Beschwerden nicht gut kontrollieren lassen. Ähnlich wirksam scheint ein ICS in mittlerer Dosis zu sein. Allerdings erhöht sich dann das Risiko für Kortison-bedingte Nebenwirkungen.

Manche Menschen vertragen LABA nicht oder dürfen sie nicht nehmen. Dann gibt es als Ausnahme die Möglichkeit, Kortison in niedriger Dosis mit einem LAMA oder mit Montelukast zu kombinieren. Eine Kombination aus Kortison und LAMA scheint vergleichbar wirksam zu sein mit Kortison als Einzel-Wirkstoff in höherer Dosis. In Studien, die Kortison + LABA mit Kortison + Montelukast vergleichen, zeichnen sich Vorteile für die Kombination aus Kortison + LABA ab. Daher handelt es sich hierbei um nachrangige Behandlungen, wenn die empfohlene Behandlung nicht in Frage kommt. Bei plötzlichen Beschwerden inhalieren Sie dann nach Bedarf zusätzlich ein SABA-Spray.

» Behandlung in Stufe 4

Die Leitlinie empfiehlt:

In Stufe 4 soll man Ihnen als inhalierbares Dauer-Medikament bevorzugt eine Fixkombination aus ICS in mittlerer oder hoher Dosis und LABA anbieten.

Bei einigen Menschen halten die Beschwerden an, obwohl sie bereits niedrig dosiertes ICS und LABA oder eine andere Kombination nehmen und diese auch korrekt anwenden. Dann gibt es weitere Möglichleiten, ihnen zu helfen: Entweder erhöht man die Kortison-Dosis – das ist die bevorzugt empfohlene Behandlung. Oder man nimmt ein drittes Medikament hinzu.

Die Studienlage zur Frage einer höheren Kortison-Dosis oder Hinzunahme eines LAMAs als dritten Wirkstoff ist nicht eindeutig und zum Teil widersprüchlich. Die Expertengruppe rät dazu, gemeinsam mit dem Arzt zu besprechen, ob man zunächst lieber die Kortison-Dosis erhöht oder als weiteres Medikament ein LAMA hinzunimmt. Das hängt davon ab, in welcher Dosis Sie das Kortison bisher eingenommen haben und wie gut Sie mit den unterschiedlichen Medikamenten zurechtkommen. Wichtig ist, erst alle Möglichkeiten für Stufe 4 auszuprobieren, bevor man zu Stufe 5 wechselt.

In begründeten Situationen, etwa, wenn Sie den LAMA-Wirkstoff nicht vertragen oder nicht nehmen dürfen, kann als dritter Wirkstoff auch ein Leukotrien-Antagonist (Montelukast) hinzukommen. Oder wenn der LABA-Wirkstoff nicht möglich ist, kann man in Ausnahmen auch die Kombination aus mittel- bis hochdosiertem Kortison zum Inhalieren mit einem LAMA-Wirkstoff versuchen. Die Expertengruppe konnte keine Studien finden zu der Frage, wie sicher und wirksam die Kombination aus den drei Wirkstoffen Kortison, LABA und Leukotrien-Antagonist ist.

» Behandlung in Stufe 5

Die Leitlinie empfiehlt:

Die Expertengruppe ist der Meinung, dass Ihr Ärzteteam prüfen soll, ob Sie an einer Rehabilitation teilnehmen können, bevor Sie Medikamente der Stufe 5 erhalten (mehr dazu im Kapitel Rehabilitation – der Weg zurück in den Alltag).

In einer Rehabilitation kann das dortige Behandlungsteam mit Ihnen prüfen, ob Sie so inhalieren, dass die Medikamente optimal wirken können und ob Sie bestimmte Auslöser vielleicht noch besser vermeiden können. Manchmal reicht das aus, um das Asthma besser zu kontrollieren und Sie brauchen keine Medikamente der Stufe 5. Denn diese sind mit mehr Aufwand sowie Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Teilweise muss man sich die Medikamente spritzen.

Die empfohlene Behandlung in Stufe 5 besteht aus einem ICS in der höchsten Dosis, die Sie vertragen, einem LABA und einem LAMA. Diese Dreier-Kombination ist zum Inhalieren.

Die Leitlinie empfiehlt:

Erst wenn diese drei Wirkstoffe nach mehr als 3 Monaten nicht zu einer Asthma-Kontrolle führen, sollte nach Expertenmeinung geprüft werden, ob für Sie eine Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper geeignet ist. Das soll ein erfahrener Facharzt oder eine erfahrene Fachärztin für Lungen-Erkrankungen (Pneumologie) prüfen.

Neue Medikamente der Stufe 5, wie monoklonale Antikörper, sind dann zugelassen, wenn "schweres Asthma" vorliegt.

Hinweis: Schweres Asthma bei Erwachsenen

Fachleute sprechen von schwerem Asthma, wenn trotz der Höchstdosis an inhalierbaren Kortison-ähnlichen Medikamenten und mindestens einem weiteren Dauer-Medikament wie LABA oder Montelukast Beschwerden bestehen.

Schweres Asthma liegt auch vor, wenn man länger als 6 Monate im Jahr Kortison-ähnliche Medikamente zum Einnehmen gegen die Asthma-Beschwerden benötigt.

Mindestens einer der folgenden Punkte muss zutreffen:

  • Die Einsekunden-Kapazität, also der FEV1-Wert, ist erniedrigt. Er liegt unter 80 Prozent von dem Wert, den Sie normalerweise erreichen sollten.

  • In den letzten 12 Monaten gab es mindestens zwei Verschlechterungen, die eine Behandlung mit zusätzlichem Kortison erforderten.

  • In den letzten 12 Monaten gab es mindestens eine schwere Verschlechterung, die eine Behandlung im Krankenhaus erforderte oder sogar eine Beatmung.

  • Das Asthma ist teilweise oder nicht kontrolliert.

Monoklonale Antikörper

In zwei Situationen kommt ein spezieller monoklonaler Antikörper in Frage:

  • Entweder Sie haben ein allergisches Asthma. Dann kann der Wirkstoff Omalizumab in Betracht kommen.

  • Oder Sie haben eine hohe Zahl an sogenannten Eosinophilen im Blut. Das sind besondere Zellen der körpereigenen Immun-Abwehr. Dann können die Wirkstoffe Mepolizumab, Reslizumab, Benralizumab oder Dupilumab wirksam sein.

Die Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper dauert mindestens 4 Monate.

Ihr Ärzteteam soll Ihnen eine Behandlung mit dem Antikörper Omalizumab anbieten, wenn die folgenden vier Punkte zutreffen:

  • Sie haben schweres allergisches Asthma mit den typischen Allergie-Eiweißen (IgE).

  • Ein weiterer Allergie-Test hat bestätigt, dass Sie auf einen Auslöser, der das ganze Jahr über in der Luft vorkommt, allergisch reagieren, zum Beispiel Hausstaubmilben.

  • Im Blut liegt eine bestimmte Menge an Allergie-Eiweißen (IgE) vor. Dabei spielt Ihr Körpergewicht eine Rolle.

  • Sie vermeiden die Auslöser soweit wie möglich.

Falls Sie rauchen, ist es wichtig, dass Sie damit aufhören.

Eine große Studie hat Personen mit Asthma, die dauerhaft Kortison anwenden, verglichen. Eine Gruppe erhielt zusätzlich den Antikörper Omalizumab, die andere ein Schein-Medikament (Placebo). Die Omalizumab-Gruppe hatte innerhalb von 4 bis 15 Monaten seltener Verschlechterungen des Asthmas als die Placebo-Gruppe: etwa 16 von 100 Personen statt 26 von 100 Personen. Menschen aus der Omalizumab-Gruppe mussten innerhalb von 7 bis 15 Monaten auch seltener deswegen ins Krankenhaus: weniger als 1 von 100 Personen statt 3 von 100 Personen. Daher rät die Expertengruppe zu einem Behandlungsversuch mit Omalizumab, wenn dafür die Voraussetzungen erfüllt sind.

Ihr Ärzteteam sollte eine Behandlung mit einem der Antikörper Mepolizumab, Reslizumab oder Benralizumab in Betracht ziehen, wenn diese beiden Punkte zutreffen:

  • Sie haben schweres eosinophiles Asthma.

  • Die eosinophilen Granulozyten im Blut haben in den letzten 2 Jahren mindestens zweimal den Wert von über 300 pro Mikroliter Blut überschritten, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine Verschlechterung (Exazerbation) vorlag.

Es gibt Hinweise aus Studien, dass diese Antikörper plötzliche Anfälle von Atemnot verringern können im Vergleich mit einem Schein-Medikament. Zudem scheint man dadurch weniger oder gar keine Kortison-Tabletten zu benötigen. Die Fachleute sehen das als Vorteil. Auf diese Weise lassen sich Nebenwirkungen von Kortison-Tabletten verringern beziehungsweise vermeiden. Deswegen rät die Expertengruppe zu einem Behandlungsversuch mit einem dieser Antikörper, wenn dafür die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Daten sind bislang nicht ausreichend, um sicher beurteilen zu können, wie verträglich diese Antikörper langfristig sind. Die Expertengruppe konnte keine Studien finden, die die einzelnen monoklonalen Antikörper miteinander vergleichen.

Ihr Ärzteteam sollte eine Behandlung mit dem Antikörper Dupilumab in Betracht ziehen, wenn Sie schweres eosinophiles Asthma haben. Dafür muss eine der folgenden Voraussetzungen zutreffen:

  • Die Blutzellen namens eosinophile Granulozyten haben in den letzten 2 Jahren mindestens zweimal den Wert von über 300 pro Mikroliter Blut überschritten, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine Verschlechterung (Exazerbation) vorlag. ODER

  • Der Anteil von Stickstoffmonoxid (kurz: FeNO) in der ausgeatmeten Luft überschreitet zweimal den Wert von 25 ppb. Hohe FeNO-Werte weisen auf eine eosinophile Entzündung hin.

Es gibt Hinweise aus Studien, dass Dupilumab die Anzahl schwerer Anfälle von Atemnot verringern kann. Zudem scheint man dadurch weniger Kortison-Tabletten zu benötigen. Diese Wirkungen zeigten sich besonders bei Betroffenen, die hohe Eosinophile-Werte oder hohe FeNO-Werte hatten. Deswegen rät die Expertengruppe zu einem Behandlungsversuch mit Dupilumab, wenn dafür die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Expertengruppe konnte keine Studien finden, die Dupilumab mit den anderen monoklonalen Antikörpern gegen Asthma vergleichen.

Informationen zu den Nebenwirkungen der monoklonalen Antikörper finden Sie hier.

Kortison-ähnliche Medikamente zum Einnehmen

Die Leitlinie empfiehlt:

In der Regel sollen Kortison-ähnliche Medikamente, die man nicht inhaliert, sondern als Tablette einnimmt, nicht zum Einsatz kommen.

Der Grund dafür ist, dass schwere Nebenwirkungen auftreten können (siehe Seite 42). Aber wenn alle anderen Medikamente nicht helfen, das Asthma ausreichend zu kontrollieren, bieten Kortison-Tabletten die Chance, Beschwerden zu lindern und Atemnot-Anfälle zu verhindern. Seit Jahrzehnten sind Kortison-Tabletten wirksame Medikamente bei vielen Krankheiten. Die Expertengruppe schätzt die Nebenwirkungen der neueren monoklonalen Antikörper allerdings geringer ein als die von Kortison zum Einnehmen.

Stufen-Plan für Kinder und Jugendliche: Was empfiehlt die Leitlinie? PL-Kinder-png

In diesem Abschnitt stellen wir Ihnen die ärztlichen Empfehlungen für Kinder und Jugendliche mit Asthma vor. Tabelle 5 zeigt eine Übersicht des Stufen-Plans. Es gibt sechs Stufen zur Behandlung. Alle im Stufen-Plan dargestellten Medikamente und Kombinationen beschreiben wir anschließend Stufe für Stufe.

Tabelle 5: Stufen-Plan für Kinder und Jugendliche

Empfohlene Behandlung

Andere Behandlungen
(in begründeten Situationen)

STUFE 1

 

 

 

 

 

Täglich:

Keine

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)

ODER

Ab 12 Jahren mögliche Behandlung nur nach Bedarf:

Fixkombination aus niedrigdosiertem Kortison und Formoterol zum Inhalieren

 

Nach Bedarf:

Ipratropiumbromid zusätzlich oder statt SABA

 

STUFE 2

 

 

 

 

Täglich:

niedrigdosiertes Kortison zum Inhalieren (bevorzugt)

ODER

bis 15 Jahre möglich: Montelukast

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)

 

Ab 12 Jahren mögliche Behandlung nur nach Bedarf: 

Fixkombination aus niedrigdosiertem Kortison und Formoterol zum Inhalieren (dann kein SABA und kein tägliches Kortison-Spray)

Nach Bedarf:

Ipratropiumbromid zusätzlich oder statt SABA

STUFE 3

 

 

 

Täglich:

mitteldosiertes Kortison zum Inhalieren

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)

 

Nach Bedarf:

Ipratropiumbromid zusätzlich oder statt SABA

STUFE 4

 

 

Täglich:

mitteldosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA

ODER

mitteldosiertes Kortison zum Inhalieren + Montelukast

ODER

mitteldosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA + Montelukast

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)

ODER

ab 12 Jahren möglich: Fixkombination aus Kortison und Formoterol zum Inhalieren (wenn diese Kombination auch zur Dauer-Behandlung eingesetzt wird)

Täglich:

mitteldosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA + Montelukast + LAMA (bei unzureichender Asthma-Kontrolle)

Nach Bedarf:

Ipratropiumbromid zusätzlich oder statt SABA

 

Hinweis: Überweisung in eine Kinder- und Jugendarztpraxis für Lungen-Erkrankungen

STUFE 5

 

Täglich:

hochdosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA

ODER

hochdosiertes Kortison zum Inhalieren + Montelukast

ODER

hochdosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA + Montelukast

ODER

hochdosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA + LAMA

ODER

hochdosiertes Kortison zum Inhalieren + LABA + Montelukast + LAMA

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)

ODER

ab 12 Jahren möglich: Fixkombination aus Kortison und Formoterol zum Inhalieren (wenn diese Kombination auch zur Dauer-Behandlung eingesetzt wird)

 

Nach Bedarf:

Ipratropiumbromid zusätzlich oder statt SABA

 

Hinweis: Überweisung in eine Kinder- und Jugendarztpraxis für Lungen-Erkrankungen + Besuch in einem Zentrum für Kinder-Lungenheilkunde

STUFE 6

Täglich:

Medikamente von Stufe 5
+ monoklonaler Antikörper (je nach Alter)

Nach Bedarf:

kurzwirkendes Beta-Mimetikum (zum Beispiel SABA-Spray)

ODER

ab 12 Jahren möglich: Fixkombination aus Kortison und Formoterol zum Inhalieren (wenn diese Kombination auch zur Dauer-Behandlung eingesetzt wird)

 

Täglich:

In Ausnahmen Kortison zum Einnehmen zusätzlich oder statt Kortison-Spray

Nach Bedarf:

Ipratropiumbromid zusätzlich oder statt SABA

 

Hinweis: Behandlung in einer Kinder- und Jugendarztpraxis für Lungen-Erkrankungen + Besuch in einem Zentrum für Kinder-Lungenheilkunde

Hinweis

Schlägt man Ihrem Kind eine Behandlungsmöglichkeit für begründete Situationen vor oder eine ganz andere, fragen Sie den Arzt oder die Ärztin nach dem Grund.

Es ist wichtig, dass Sie die Erklärungen verstehen und dass sie auf Ihr Kind zutreffen. Denn diese Abweichungen stellen Ausnahmen dar. In Einzelfällen können sie sinnvoll sein.

Die Leitlinie empfiehlt:

In jeder Stufe soll Ihr Kind ein Bedarfs-Medikament gegen plötzliche Beschwerden erhalten. Meistens handelt es sich dabei um ein SABA-Spray. Für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ist unter Umständen auch die Fixkombination aus ICS in niedriger Dosis und Formoterol als Bedarfs-Spray möglich.

Bei teilweise kontrolliertem Asthma sollte die Behandlung nach Meinung der Expertengruppe in der Regel mit Stufe 2 beginnen.

Bei unkontrolliertem Asthma sollte die Dauer-Behandlung nach Meinung der Expertengruppe mindestens in Stufe 3 beginnen.

Manchmal kommt bei Kindern und Jugendlichen als Bedarfs-Medikament der Wirkstoff Ipratropiumbromid in Frage (siehe Kapitel Ipratropiumbromid). Das kann zusätzlich zu dem SABA-Spray sein oder stattdessen, wenn Ihr Kind dieses nicht verträgt oder nicht nehmen darf.

Wendet man die Fixkombination aus ICS und Formoterol nach Bedarf bei plötzlichen Beschwerden an, ist es wichtig, die zulässige Höchstdosis pro Tag für beide Wirkstoffe nicht zu überschreiten.

» Behandlung in Stufe 1

Bei einer leichten Form der Erkrankung, bei der nur selten Asthma-Beschwerden auftreten, braucht Ihr Kind kein tägliches Dauer-Medikament.

Die Leitlinie empfiehlt:   

Nach Meinung der Expertengruppe sollen Kinder und Jugendliche ihren Alltag komplett ohne Bedarfs-Medikamente bewältigen können. Sobald sie im Alltag ein Bedarfs-Medikament benötigen, soll bei ihnen eine dauerhafte Behandlung mit einem Langzeit-Medikament beginnen.

Besonders für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, dass sie ihren Alltag so normal wie möglich gestalten können und ohne Einschränkungen zu Gleichaltrigen Kontakte haben. Das heißt, der Kita- oder Schulbesuch ist langfristig ohne Asthma-Beschwerden möglich. Sobald Ihr Kind im Alltag ein Bedarfs-Medikament braucht, empfiehlt die Expertengruppe daher, auf Stufe 2 zu wechseln.

» Behandlung in Stufe 2

Die Leitlinie empfiehlt:

In Stufe 2 soll bei Kindern und Jugendlichen bevorzugt ein Kortison-ähnliches Medikament in niedriger Dosis zum täglichen Inhalieren eingesetzt werden.

Bei Jugendlichen ab 15 Jahren soll eine alleinige Behandlung mit dem Wirkstoff Montelukast in der Regel nicht zum Einsatz kommen. Nur wenn sie das Kortison-ähnliche Medikament nicht vertragen oder ihnen das Inhalieren nicht möglich ist, kommt Montelukast als Ausnahme in Frage.

Nach langjähriger Erfahrung vieler Fachleute hat sich das tägliche Inhalieren von Kortison in niedriger Dosis bewährt, um die dauerhafte Entzündung in den Atemwegen wirksam zu unterdrücken.

Für Kinder und Jugendliche, die Kortison als Langzeit-Medikament erhalten, gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen (siehe Hinweise zur Kortison-Behandlung bei Kindern und Jugendlichen).

» Behandlung in Stufe 3

Die Leitlinie empfiehlt:

In Stufe 3 sollen Kinder und Jugendliche ein Kortison-ähnliches Medikament zum täglichen Inhalieren in mittlerer Dosis erhalten.

Aus Studien weiß man nicht, ob es besser ist, bei anhaltenden Beschwerden zunächst die ICS-Dosis zu erhöhen oder einen weiteren Wirkstoff dazuzugeben. Beides hilft, die Beschwerden zu lindern. Trotzdem empfiehlt die Expertengruppe, bei Kindern und Jugendlichen zunächst die ICS-Dosis zu erhöhen. Die Fachleute sehen die Gefahr, dass die Entzündung der Atemwege nicht ausreichend behandelt wird, wenn die ICS-Dosis niedrig bleibt und ein zweites Medikament hinzukommt, das nur Beschwerden lindert. So besteht das Risiko, dass eine Verschlechterung nicht frühzeitig erkannt wird und man wegen Asthma ins Krankenhaus muss. Deshalb hält es die Expertengruppe für wichtig, dass Kinder und Jugendliche in Behandlungsstufe 3 das wirksame Kortison-ähnliche Medikament in mittlerer Dosis erhalten. Anders als bei Erwachsenen sehen die Fachleute hier keinen Einsatz für die Fixkombination aus niedrigdosiertem ICS und LABA.

» Behandlung in Stufe 4

Die Leitlinie empfiehlt:

In Stufe 4 sollen Kinder und Jugendliche ein Kortison-ähnliches Medikament zum täglichen Inhalieren in mittlerer Dosis und ein LABA erhalten. Statt des LABAs oder auch zusätzlich zum LABA ist es möglich, den Leukotrien-Antagonist Montelukast einzunehmen.

Die Expertengruppe ist der Meinung, dass Kinder oder Jugendliche zumindest einmal eine Spezialistin oder einen Spezialisten für Kinder-Lungenheilkunde aufsuchen sollten, bevor sie eine Behandlung auf Stufe 4 beginnen.

Ein zusätzlicher Wirkstoff hilft, Beschwerden zu lindern. Mit den vorliegenden Studien lässt sich aber nicht beurteilen, welcher der möglichen Wirkstoffe am günstigsten ist. Aus langer Erfahrung stufen die Fachleute die Nebenwirkungen dieser verschiedenen, kombinierten Wirkstoffe geringer ein, als wenn man die Kortison-Dosis weiter erhöht.

Ist das Asthma trotz der drei Wirkstoffe (ICS in mittlerer Dosis, LABA und Montelukast) nur unzureichend kontrolliert, ist es möglich, als viertes Medikament einen LAMA-Wirkstoff wie Tiotropium anzuwenden. Erst wenn Ihr Kind trotz allem Beschwerden hat, kommt schließlich Stufe 5 in Betracht.

» Behandlung in Stufe 5

Die Leitlinie empfiehlt:

Bevor eine Behandlung in Stufe 5 beginnt, soll das Ärzteteam prüfen, ob Ihr Kind wirklich alle Möglichkeiten von Stufe 4 erhalten hat.

Zudem sollten Kinder und Jugendliche nach Meinung der Expertengruppe in einem Zentrum für Kinder-Lungenheilkunde (kinderpneumologisches Zentrum) untersucht werden.

Vor Beginn der Stufe 5 sollte das Ärzteteam nach Expertenmeinung prüfen, ob Ihr Kind an einer stationären Rehabilitation teilnehmen kann.

Die Expertengruppe ist der Meinung, dass der Kinder- und Jugendarzt oder die Kinder- und Jugendärztin Ihr Kind zur Behandlung in Stufe 5 an eine Kinder- und Jugendarztpraxis für Lungen-Erkrankungen (Kinder-Lungenheilkunde) überweisen soll.

In Stufe 5 sollen Kinder und Jugendliche ein Kortison-ähnliches Medikament zum Inhalieren in hoher Dosis und ein LABA erhalten. Statt des LABAs oder auch zusätzlich zum LABA ist es möglich, den Leukotrien-Antagonist Montelukast einzunehmen. Auch ein LAMA (zum Beispiel Tiotropium) kann noch hinzukommen.

Manchmal ist es möglich, die Behandlung von Stufe 4 so zu verbessern, dass Ihr Kind die Stufe 5 doch nicht braucht. Zum Beispiel lässt sich bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer Reha-Klinik herausfinden, ob Ihr Kind die Medikamente richtig und täglich inhaliert und ob es mögliche Asthma-Auslöser konsequent meidet.
Ab und zu kann es gute Gründe geben, ein Kind oder Jugendlichen nicht in die Reha zu schicken, etwa, weil die Klinik weit vom Wohnort entfernt ist. Dann kann man in Stufe 5 vorerst auf die Reha verzichten und in Behandlung bei der Kinder- und Jugendarztpraxis für Lungen-Erkrankungen bleiben.

Die Behandlungsmöglichkeiten in Stufe 5 gehen mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen einher. Deshalb ist es wichtig zu prüfen, ob die bisherigen Medikamente vielleicht doch ausreichen.

Bevor die Behandlung in Stufe 5 beginnt, kann es auch vorkommen, dass man die Diagnose Asthma noch einmal überprüft. Vielleicht liegt statt Asthma doch eine andere Erkrankung der Lunge vor. Dafür führt man in einer Kinder- und Jugendarztpraxis für Lungen-Erkrankungen weitere Untersuchungen durch.

In Stufe 5 empfehlen die Fachleute, das inhalierbare Kortison (ICS) in hoher Dosis zu geben, in Kombination mit einem oder mehreren anderen Wirkstoffen. Eine hohe Dosis ICS kann Beschwerden lindern und einige Notfälle verhindern. Andererseits ist sie mit mehr Nebenwirkungen verbunden. Doch die in Stufe 6 empfohlenen Wirkstoffe sind nach Einschätzung der Expertengruppe mit zusätzlichen Risiken verbunden. Deshalb soll zunächst die ICS-Dosis erhöht werden.

» Behandlung in Stufe 6

Die Leitlinie empfiehlt:

Bevor eine Behandlung in Stufe 6 beginnt, soll das Ärzteteam nach Expertenmeinung prüfen, ob Ihr Kind wirklich alle Möglichkeiten von Stufe 5 erhalten hat.

Zudem soll Ihr Kind nach Meinung der Expertengruppe für weitere Untersuchungen ein Zentrum für Kinder-Lungenheilkunde (kinderpneumologisches Zentrum) besuchen.

Die Expertengruppe ist der Meinung, dass man vor Beginn der Stufe 6 prüfen soll, ob Ihr Kind an einer stationären Rehabilitation teilnehmen kann.

Manchmal ist es möglich, die Behandlung von Stufe 5 so zu verbessern, dass Ihr Kind die Stufe 6 doch nicht braucht. Zum Beispiel kann Ihr Kind in einer Reha-Klinik lernen, wie es die Medikamente richtig und täglich inhaliert. In Stufe 6 empfiehlt die Expertengruppe dringend einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik und eine Vorstellung in einem kinderpneumologischen Zentrum. Sie schätzt es als wichtig ein, weil die Dauer-Medikamente in Stufe 6 mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen können. Daher ist es bedeutsam, alle Behandlungsmöglichkeiten von Stufe 5 voll auszuschöpfen, bevor Ihr Kind mit Stufe 6 beginnt.

Bevor die Behandlung in Stufe 6 beginnt, kann es auch vorkommen, dass man die Diagnose Asthma noch einmal überprüft. Vielleicht liegt statt Asthma doch eine andere Erkrankung der Lunge vor. Auch Begleit-Erkrankungen können für die schweren Asthma-Beschwerden mitverantwortlich sein. Dafür führt man in einer Kinder- und Jugendarztpraxis für Lungen-Erkrankungen weitere Untersuchungen durch.

Monoklonale Antikörper

Die Leitlinie empfiehlt:

Nach Meinung der Expertengruppe soll ein Kinder- und Jugendarzt oder eine Kinder- und Jugendärztin, die viel Erfahrung mit schwerem Asthma bei Kindern haben (Fachgebiet: Kinder-Lungenheilkunde), prüfen, ob eine zusätzliche Behandlung mit einem monoklonalen Antikörper für Ihr Kind geeignet ist und gegebenenfalls mit dieser Behandlung beginnen.

In Stufe 6 empfiehlt die Expertengruppe zusätzlich zu den bisherigen Medikamenten von Stufe 5 einen monoklonalen Antikörper. Dafür muss Ihr Kind aber ein bestimmtes Alter haben und weitere Bedingungen erfüllen.

Das Ärzteteam soll Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen eine Behandlung mit dem Antikörper Omalizumab anbieten, wenn die folgenden vier Punkte zutreffen:

  • Es liegt ein schweres allergisches Asthma mit den typischen Allergie-Eiweißen (IgE) vor.

  • Ein weiterer Allergie-Test hat bestätigt, dass Ihr Kind auf einen Auslöser, der das ganze Jahr über in der Luft vorkommt, allergisch reagiert, zum Beispiel Hausstaubmilben.

  • Im Blut liegt eine bestimmte Menge an Allergie-Eiweißen (IgE) vor. Dabei spielt das Körpergewicht eine Rolle.

  • Ihr Kind vermeidet alle bekannten Asthma-Auslöser soweit wie möglich.

Wichtig ist auch, dass betroffene Jugendliche, die rauchen, damit aufhören.

Omalizumab kann einige schwere Atemnot-Anfälle und Einweisungen ins Krankenhaus verhindern: Studien haben Kinder und Jugendliche mit allergischem Asthma verglichen, die entweder den Antikörper Omalizumab oder ein Schein-Medikament (Placebo) erhielten. In der Zusammenschau zeigte sich: Die Omalizumab-Gruppe hatte seltener eine Verschlechterung des Asthmas als die Placebo-Gruppe: etwa 27 statt 41 von 100 Personen. In der Omalizumab-Gruppe wurde auch seltener eine Asthma-Behandlung im Krankenhaus nötig: etwa bei 2 statt 5 von 100 Personen. Bei den Nebenwirkungen zeigten sich keine großen Unterschiede in den beiden Gruppen.

Wenn Omalizumab als Wirkstoff nicht in Frage kommt, ist bei schwerem eosinophilen Asthma nach Einschätzung der Expertengruppe bei Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen unter Umständen auch eine Behandlung mit dem Antikörper Mepolizumab möglich. Bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ist dann auch der Antikörper Dupilumab in Betracht zu ziehen.

Da Kinder und Jugendliche nur selten schweres eosinophiles Asthma haben, gibt es dazu nur wenige Daten. Aus den aktuellen Studien geht nicht eindeutig hervor, wie wirksam und sicher Mepolizumab und Dupilumab bei Kindern und Jugendlichen sind. Die Expertengruppe sieht aber Hinweise auf mögliche Vorteile, zum Beispiel könnten schwere Verschlechterungen seltener auftreten. Vor allem schätzen die Fachleute, dass die Risiken dieser Antikörper geringer sind, als bei der dauerhaften Einnahme von Kortison-Tabletten. Deshalb kann ein Versuch mit diesen Medikamenten in Frage kommen, bevor Ihr Kind Kortison-Tabletten erhält.

Kortison-ähnliche Medikamente zum Einnehmen

Die Leitlinie empfiehlt:

In der Regel sollen Kortison-ähnliche Medikamente, die man nicht inhaliert, sondern als Tablette oder Saft einnimmt, bei Kindern und Jugendlichen nicht zum Einsatz kommen.

Der Grund dafür ist, dass im Wachstumsalter schwere Nebenwirkungen auftreten können. Wenn alle anderen Medikamente nicht helfen, das Asthma ausreichend zu kontrollieren, ist der Einsatz von Kortison zum Einnehmen in Einzelfällen auch bei Kindern und Jugendlichen manchmal die einzige Möglichkeit, schwere Beschwerden zu lindern.

Für Kinder und Jugendliche, die Kortison-ähnliche Medikamente einnehmen, gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen (siehe Hinweise zur Kortison-Behandlung bei Kindern und Jugendlichen).

3. Auflage, 2021. Version 1

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Spezielle Angebote für Menschen mit Asthma finden Sie unter den folgenden Adressen:

Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e. V. (BAG SELBSTHILFE)
Kirchfeldstraße 149
40215 Düsseldorf
Telefon: 02 11 / 3 10 06-0
Telefax: 02 11 / 3 10 06-48
E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de
Internet: www.bag-selbsthilfe.de

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V. (DAG SHG)
Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin
Telefon 0 30 / 893 40 14
E-Mail: verwaltung@dag-shg.de
Internet: www.dag-selbsthilfegruppen.de

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V.
Oranienburger Straße 13-14
10178 Berlin
Telefon: 0 30 / 2 46 36-0
Telefax: 0 30 / 2 46 36-1 10
E-Mail: info@paritaet.org
Internet: www.paritaet.org | www.der-paritaetische.de

Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)
Otto-Suhr-Allee 115
10585 Berlin
Telefon: 0 30 / 31 01 89 60
Telefax: 0 30 / 31 01 89 70
E-Mail: selbsthilfe@nakos.de
Internet: www.nakos.de

Sie können sich auch an diese Organisationen wenden:

Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V.
Telefon: 0 2 166 / 647 88 88
E-Mail: info@daab.de
Internet: www.daab.de

Deutsche Atemwegsliga e. V.
Telefon: 0 52 52 / 93 36 15
E-Mail: kontakt@atemwegsliga.de
Internet: www.atemwegsliga.de

Deutsche Lungenstiftung e. V.
Telefon: 0 5 11 / 21 55 110
E-Mail: info@lungenstiftung.de
Internet: www.lungenstiftung.de

Lungeninformationsdienst
E-Mail: lungeninformationsdienst@helmholtz-muenchen.de
Internet: www.lungeninformationsdienst.de

Lungensport AG in Deutschland e. V.
Telefon: 0 52 52 / 93 70 603
E-Mail: lungensport@atemwegsliga.de
Internet: www.lungensport.org

Deutsche Patientenliga Atemwegserkrankungen e. V.
E-Mail: info@pat-liga.de
Internet: www.pat-liga.de

Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter e. V.
Telefon: 03831 / 27 88 117
E-Mail: post@asthmaschulung.de
Internet: www.asthmaschulung.de

Deutsche Sauerstoff- und BeatmungsLiga LOT e. V.
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